Zeitzeuginnen erinnern an Kriegsverbrechen der Wehrmacht bei Osaritschi

„Ihr seid kaputt.“ So habe ein deutscher Soldat auf die Frage ihrer Mutter geantwortet, wohin sie denn alle gebracht würden. Nadjeschda Kobsarewa, im März 1944 zwölf Jahre alt, beschrieb mit diesen Worten ihre Erinnerungen an die Deportation ihrer Familie. Nur sie und ihre drei Jahre jüngere Schwester überlebten die Tage im Lager nahe des weißrussischen Ortes Osaritschi.

Bei einem Zeitzeugengespräch im Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst am 18. März 2014 schilderten zwei weißrussische Überlebende eindrücklich ihre persönliche Sicht. Der Historiker Dr. Christoph Rass erläuterte in einem einführenden historischen Vortrag, dass die Verbrechen bei Osaritschi zur Rückzugsstrategie der Wehrmacht gehörten. Die Politik der „verbrannten Erde“ habe auch bedeutet, so genannte „unnütze Esser“ der Zivilbevölkerung mittels Todesmärschen in Lager nahe der Frontlinie zu schicken.

Der Abend fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Opfer des deutschen Vernichtungskrieges im Osten“ statt, einer Kooperation von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, dem Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst, der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft, der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas sowie des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie.