Osteuropa-Historiker konstatiert geringes Interesse an deutschen Verbrechen in Polen

Der Klagenfurter Historiker Prof. Dieter Pohl sprach am 4. März in Berlin über „Polen unter deutscher und sowjetischer Herrschaft September 1939 – Juni 1941“.

Bei seinem Vortrag im voll besetzten Auditorium der Topographie des Terrors bezeichnete Pohl den September 1939 als „Wendepunkt“ in der NS-Gewaltpolitik, zu der seit Beginn des Feldzuges Kriegsverbrechen gegen Juden und ethnische Polen gehörten.

Pohl machte darauf aufmerksam, wie wenig bekannt in der heutigen deutschen Öffentlichkeit etwa die Morde der nationalsozialistischen „Intelligenzaktionen“ 1939/40 gegen die höheren polnischen Bildungsschichten seien. Auch die wissenschaftliche Forschung dazu finde fast ausschließlich von polnischen Historikern statt. Neuen polnischen Studien zufolge seien Polen an bis zu 1.000 Orten umgebracht worden.

Er skizzierte weiter, dass sich Himmlers radikale Deportationspläne im Sinne der „Lebensraum“-Politik in der Praxis als nicht umsetzbar erwiesen und abgelöst wurden von der brutalen Rekrutierung polnischer Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.

In seinen Ausführungen analysierte Pohl auch die sowjetische Besatzungspolitik, deren Geheimpolizei ähnlich radikal gegen die polnische Intelligenz vorgegangen sei. Sowohl in der ideologischen Zielrichtung wie der konkreten Einbindung in den sowjetischen Herrschaftsbereich konstatierte er hingegen deutliche Unterschiede.