Eckpunkte für die Erinnerung an die Opfer des deutschen Vernichtungskriegs 1939-1945

Eckpunkte für die Erinnerung an die Opfer des deutschen Vernichtungskriegs 1939-1945

In den vergangenen Jahren sind in der Debatte um die Erweiterung des Gedenkens an die osteuropäischen Opfer des Nationalsozialismus zwei Punkte immer wieder hervorgetreten, die eine Herausforderung für ein angemessenes Erinnern darstellen.

Zum einen besteht die Problematik der Benennung und Abgrenzung der Opfergruppen. Zwar war die nationalsozialistische Kategorisierung von Personengruppen nach rassistischen Kriterien entscheidend für die Verbrechen selbst und bedarf daher der Thematisierung und der Dekonstruktion. Die Definition von Kollektiven anhand dieser Kriterien entspricht aber keineswegs immer der Selbstwahrnehmung der Opfer und der ihrer Nachfahren. Das Gedenken sollte dieser Tatsache Rechnung tragen.

Zum anderen wurde wiederholt auf die Notwendigkeit der Bereitstellung von Informationen über die nationalsozialistischen Verbrechen in Osteuropa hingewiesen. Beispielsweise sind weder die Verbrechen an der polnischen Zivilbevölkerung nach dem Überfall durch die Wehrmacht, noch die Ausmordung ganzer Landstriche in Belarus im Zuge des Krieges gegen die Partisanen, noch das Ausmaß der Ermordung sowjetischer Kriegsgefangener durch gezielte Unterversorgung Teil es öffentlichen Bewusstseins.

Markus Meckel, Martin Aust und Peter Jahn haben nun gemeinsame „Eckpunkte für die Erinnerung an die Opfer des deutschen Vernichtungskriegs 1939-1945“ formuliert, um einen Weg aufzuzeigen, wie diese Herausforderungen gemeistert werden können. Konkret geht es um die Forderung nach Einrichtung eines Ortes der Information, des Dialogs und der Erinnerung für die Opfer des deutschen Vernichtungskriegs. Achtzig Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges würde die Bundesrepublik mit einem entsprechenden Beschluss des Bundestages der Verantwortung für die Erinnerung an die Vernichtungspraktiken deutscher Täter im Osten Europas nachkommen.