Projekt zu "vergessenen" Opfern des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges

Projekt zu „vergessenen“ Opfern des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges

Foto der Podiumsdiskussion am 26.6.2018: Mariya Gonchareko-Schubert (Erinnerung bewahren)

Vom 25. April bis zum 26. Juni diesen Jahres veranstaltete unsere Initiative in Zusammenarbeit mit KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V. und dem Projekt „Erinnerung bewahren“  der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas eine kleine Veranstaltungsreihe, in deren Rahmen Möglichkeiten der Erweiterung des Gedenkens an die Verbrechen des Nationalsozialismus diskutiert wurden. Anlass war die Zerstörung des belorussischen Dorfes Chatyn im Zusammenhang der mörderischen Widerstandsbekämfung durch die deutsche Besatzung vor 75 Jahren. Die Finanzierung des Projektes erfolgte durch die Berliner Landeszentrale für politische Bildung.

Den Auftakt bildete eine Podiumsdiskussion. Unter dem Titel 75 Jahre Chatyn – „Verbrannte Dörfer“ im Osten Europas fand diese am 25. April im Robert-Havelmann-Saal des Hauses der Demokratie und Menschenrechte statt. Es diskutierten die Historikerin und ehem. Leiterin der Gedenkstätte Chatyn Natalja Kyrillova und Prof. Dr. Stephan Lehnstaedt vom Touro College Berlin unter der Moderation vom ehem. Leiter des Deutsch-Russischen Museums Karlshorst Dr. Peter Jahn. Die Veranstaltung erfreute sich eines regen Interesses und es wurde durch die vielen Nachfragen deutlich, dass der Zusammenhang der „verbrannten Dörfer“ der weiteren inhaltlichen Aufarbeitung bedarf.

In einer zweiten Projektphase fand dann ein zweitägiger Workshop mit Studierenden zum Thema der „vergessenen Opfer“ des Nationalsozialismus statt. Zunächst wurde hier die Zerstörung Chatyns anhand der vorhandenen Quellen rekonstruiert und in den Zusammenhang des deutschen Vernichtungskrieges eingeordnet. Mögliche Formen der Erinnerung und des Gedenkens waren dabei stets Teil der Diskussionen. Mit dem Deutsch-Russischen Museum und dem Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit besichtigten wir zwei Orte des Gedenkens und der Information, die in die Gespräche miteinbezogen werden konnten. Nicht zuletzt aufgrund der internationalen Zusammensetzung der Gruppe ergab sich ein sehr spannender und gewinnbringender Austausch.

Zum Abschluss des Projektes fand dann am 26. Juni eine zweite Podiumsdiskussion mit dem Titel Die „vergessenen“ Opfer des Nationalsozialismus – Wie erinnern? Im Ort der Information der Gedenkstätte für die ermordeten Juden Europas statt. Dr. Svetlana Burmistr und Bozhena Kozakevych stellten das Projekt „Erinnerung bewahren“ der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas vor und Florian Wieler die Initiative Gedenkort für die Opfer der NS-„Lebensraum“-Politik. Moderiert von Dr. Rosanna Dom und Ragna Vogel und mit Einbindung einer studentischen Perspektive wurden daraufhin die verschiedenen Herausforderungen der Gedenkprojekte, vor allem aber auch deren Bedeutung und Relevanz für heutige Gesellschaften diskutiert. Hier und auch während der gesamten Dauer des Projektes wurde immer wieder deutlich, dass die Aufarbeitung der verschiedenen NS-Verbrechenskomplexe und das Gedenken an deren Opfer keine abgeschlossenen Prozesse sind, sondern vielmehr weiterhin vorangetrieben werden müssen. Das Projekt stellte den Versuch dar, hierzu einen kleinen Beitrag zu leisten.

Lesen Sie auch den Bericht zur zweiten Podiumsdiskussion auf der Website der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und die Meldungen zu den einzelnen Veranstaltungen von KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V.