Porträts am Tiergarten geben Opfern ein Gesicht

Porträts am Tiergarten geben Opfern ein Gesicht

Fünf Gedenktafeln haben auf der Straße des 17. Juni in Berlin, gegenüber des Sowjetischen Ehrenmales, an die vergessenen Opfer des deutschen Vernichtungskrieges in Polen und der Sowjetunion erinnert. Aufgestellt wurden sie von Teilnehmern der Gedenklesung “Den vergessenen Opfern des Vernichtungskrieges eine Stimme geben” am 14. September.

Die fünf Personen stehen exemplarisch für Millionen von Opfern. Unter ihnen sind mit Ignat Babitsch und Grigorij Fomenko zwei ermordete sowjetische Kriegsgefangene. Tatjana Sawitschewa war eine der etwa 800.000 Menschen, die an den Folgen des Hungers im belagerten Leningrad starb. Wanda Jaskewitsch starb als 19-jährige im weißrussischen Dorf Chatyn bei einer Mordaktion deutscher Einheiten. Bereits kurz nach Kriegsbeginn wurde Piotr Sosnowski, ein polnischer Geistlicher, im Oktober 1939 ermordet. Die Gedenktafeln sollen ein Zeichen setzen für einen künftigen Erinnerungsort im Berliner Zentrum an die Opfer der NS-Lebensraumpolitik in Mittel- und Osteuropa.

Eine Gedenktafel für Wanda Jaskewitsch wird aufgestellt.

Aufstellung der Gedenktafel für Wanda Jaskewitsch.

Zuvor hatten prominente Berliner Persönlichkeiten aus den Lebensberichten von Opfern des deutschen Vernichtungskrieges gelesen. Es sprachen der Schauspieler Ulrich Matthes, die Schriftsteller Per Leo und Katja Petrowskaja, die Publizistin Lea Rosh, die Berliner Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, die Vorsitzende des Berliner Landesverbands Deutscher Sinti und Roma Petra Rosenberg, der Vorstand der Stiftung evz Günter Saathoff, die Geschäftsführerin von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) Jutta Weduwen sowie die ehemalige ASF-Freiwillige Tatiana Manykina.

Foto von Schauspieler Ulrich Matthes während der Lesung.

Schauspieler Ulrich Matthes während der Lesung.

Sie erinnerten mit diesen persönlichen Zeugnissen an Millionen Menschen in Polen, der Ukraine, Belarus und Russland, die aufgrund der rassistischen NS-Ideologie eines „deutschen Lebensraums im Osten“ ermordet wurden. Die Veranstaltung wurde unterstützt unter anderem von der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, dem Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie sowie dem Aktiven Museum.

Sprecher_innne der Lesung

Die Sprecher_innen der Lesung (von rechts): Katja Petrowskaja, Per Leo, Lea Rosh, Ulrike Trautwein, Jutta Weduwen und Petra Rosenberg.