Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten fordert Gedenkort für Opfer der Vernichtungspolitik

Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten fordert Gedenkort für Opfer der Vernichtungspolitik

Der Arbeitskreis I der Berlin-Brandenburgischen Gedenkstätten hat Ende Dezember 2014 eine gemeinsame Entschließung verabschiedet. Darin fordert er die politisch Verantwortlichen auf, für die Millionen verdrängter Opfer der NS-Vernichtungspolitik in Mittel- und Osteuropa einem Ort des Gedenkens in Berlin zu schaffen.

Die Unterzeichner kritisieren, dass im repräsentativen Gedenkensemble der Bundesrepublik Deutschland an die Opfer der NS-Verbrechen im Berliner Tiergarten bis heute eine zentrale Opfergruppe fehle. Die nationalsozialistische Ideologie habe die Einwohner Polens und der Sowjetunion als „rassisch minderwertige“ Slawen zu einer rechtlosen Masse erklärt, die millionenfach getötet oder nach Osten vertrieben werden sollte. In der konkreten deutschen Kriegführung und Besatzungsherrschaft seien drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene sowie neben den jüdischen Opfern Millionen weiterer Zivilisten durch systematischen Hunger oder Erschießungen getötet worden.

Der Arbeitskreis erinnert daran, dass in der Konfrontation des Kalten Krieges das Wissen von diesem Massenmord an Millionen Menschen verdrängt worden sei. Auch gegenüber diesen Opfern habe die Bundesrepublik Deutschland eine historische Verantwortung, an sie zu erinnern – ihrer zu gedenken.

Zu den Unterzeichnern des Aufrufs gehören neben zahlreichen Gedenkstätten in Berlin und Brandenburg unter anderem das Deutsche Historische Museum, das Jüdische Museum Berlin und das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam. Ebenfalls unterzeichnet haben Initiativen und Verbände, darunter die evangelische Landeskirche, die jüdische Gemeinde zu Berlin und der Landesverband Deutscher Sinti und Roma.

Der Arbeitskreis I beschäftigt sich mit der Geschichte der nationalsozialistischen Diktatur in Berlin und Brandenburg. Ziel des Arbeitskreises ist, die Aktivitäten seiner Mitglieder zu koordinieren und zu vernetzen sowie gemeinsame Anliegen in der Öffentlichkeit zu vertreten.

Den vollständigen Text der Entschließung sowie alle Unterzeichner finden Sie hier:
Entschließung AK I Opfer Lebensraumpolitik (PDF)