Diskussion

Diskussion in der Bundespolitik

In den vergangenen Jahren haben Vertreter der Bundespolitik zunehmend die deutsche Verantwortung auch für die Opfer der NS-„Lebensraum“-Politik thematisiert. Wir dokumentieren Auszüge aus drei zentralen Reden.

Rede von Bundespräsident Joachim Gauck zu sowjetischen Kriegsgefangenen am 6. Mai 2015 in Schloß Holte-Stukenbrock
Rede von Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert zur Belagerung Leningrads am 27. Januar 2014 im Deutschen Bundestag
Rede von Gernot Erler zu belarussischen Opfern des Nationalsozialismus am 4. Mai 2015 in Minsk
Mögliche Kritikpunkte

Der Ruf nach einem Gedenkort für die Opfer der NS-Verbrechen in Polen und der Sojetunion ist natürlich nicht ohne Kontroverse. Wir stellen Ihnen mögliche Kritikpunkte vor:

»Die Errichtung des Denkmals für die ermordeten Juden Europas hat eine Welle von Denkmälern für einzelne Opfergruppen nach sich gezogen. Es droht eine Denkmalinflation«
»Die Nachfahren der Opfer haben gar keinen Gedenkort im Tiergarten gefordert«
»Polnische, ukrainische, russische und weißrussische Opfer der Vernichtungspolitik im Osten kann man nicht an einem Erinnerungsort zusammenführen«
»Das deutlichste Zeichen würde gesetzt, wenn der Gedenkort den drei Millionen ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen gewidmet würde. Sie stellen eine eindeutige Opfergruppe dar.«
»Es gibt schon genügend Erinnerungsorte an die Opfer der NS-Verbrechen im Osten: Man denke an das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst und die Gedenkstätten in den ehemaligen Lagern für sowjetische Kriegsgefangene.«
»Muss Deutschland aller Kriegsgegner als Opfer des NS-Regimes gedenken? Es gehört doch leider nun mal zu jedem Krieg, dass Menschen sterben.«

»Hat die Sowjetunion unter Stalin nicht ähnliche Verbrechen etwa in Polen, der Ukraine und Weißrussland verübt? Müsste man nicht daran genauso erinnern?«