Gedenktafel für sowjetische Kriegsgefangene auf dem Friedhof des ehemaligen Stalag III A in Luckenwalde

Sowjetische Kriegsgefangene im deutschen „Erinnerungsschatten“

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck hat in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung nachdrücklich an das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen in der Zeit des Nationalsozialismus erinnert.

In dem am 2. Mai 2015 veröffentlichten Gespräch erläutert der Bundespräsident, warum er am 6. Mai die Gedenkstätte Schloss Holte-Stukenbrock besucht, als Stammlager (Stalag) 326 eines der größten Lager für sowjetische Kriegsgefangene:

Von den insgesamt rund fünfeinhalb Millionen sowjetischen Soldaten in der Gewalt der deutschen Wehrmacht hat weniger als die Hälfte überlebt. Millionen Russen, Ukrainer, Georgier und Angehörige anderer Völker wurden durch Zwangsarbeit und Nahrungsentzug systematisch umgebracht.
Ich finde, wir haben bei der Aufarbeitung der NS-Zeit wirklich vieles geleistet. Aber immer wieder gab es auch Gruppen von Opfern, die dabei gar nicht oder zu spät oder zu wenig berücksichtigt worden sind – die sowjetischen Kriegsgefangenen gehören dazu. Diese Männer befinden sich, was das kollektive Gedächtnis angeht, in einer Art Erinnerungsschatten. Das wird ihnen nicht gerecht.

Gauck betonte die besondere Verantwortung für das heutige Deutschland, auf das Schicksal dieser Opfergruppe aufmerksam zu machen:

Mir ist es wichtig, hier in Deutschland, mit meinen Landsleuten über diese Verbrechen der Deutschen zu sprechen. Es geht mir darum, eine doppelt geschundene Opfergruppe wahrzunehmen.

Im vergangenen Jahr hatte der Bundespräsident zum Gedenken an die Befreiung Leningrads in einem Brief an den russischen Präsidenten Wladimir Putin bereits die „geschichtliche Verantwortung“ Deutschlands für die Opfer der Belagerung Leningrads betont.